FORSCHUNG: Domänen fächerorientierter Allgemeinbildung

Für diese Publikation zu Lernen und Bildung in der Sekundarstufe I haben Forscherinnen und Forscher sowie Hochschullehrinnen und Lehrer gemeinsam an den Fragen gearbeitet: „Was ist Bildung? Woran erkenne ich, dass ich gebildet bin? Was können Schulfächer dazu beitragen und wie?“

 

Bildung kann man nicht auf schulischen Lernerfolg reduzieren, auch nicht auf Arbeitsfähig­keit und  berufliche Qualifikation. Aber Bildung schafft die Voraussetzungen, weil sie mit der grundlegenden Fähigkeit zusammenhängt, sich auch in einer unübersichtlichen und kom­plexen Situation orientieren zu können, diese transformieren zu können und über sein eigenes Tun mit Distanz nachdenken zu können. Man kann dies mit dem Begriff „reflektierte Entscheidungsfähigkeit" fassen.

 

Wenn sich in einer Gesellschaft die Handlungs- und Entscheidungsmöglichkeiten erhöhen, reicht vermehrtes Wissen (im Sinne „Immer-noch-mehr“-Information) nicht aus, um sich zu entscheiden. Man braucht eine neue Einstellung zu der Bedeutung von Wissen in unter­schiedlichen Entscheidungssituationen. Da hilft ein Meta-Rahmen der Orientierung, der aus eigenen Erfahrungen, aus Fremd-Wissen und aus der Kraft unserer urteilenden Vernunft zusammengesetzt ist. Ein solcher Rahmen des Urteilens ist nicht unabänderlich und ge­schlossen, sondern veränderungsfähig, offen für neue Erkenntnisse und Perspektiven.

 

Mit dieser Publikation wollen die Autorinnen und Autoren eine Diskussion anstoßen, welche Beiträge (und nicht nur Faktenwissen) heute die Unterrichtsfächer liefern sollen, damit solche „Rahmungen des Wissens“ für und bei den Lernenden entstehen können.

 

Bildung ist nicht etwas, das ein Mensch für sich allein betreibt, sie findet in der Aus­einandersetzung mit anderen Menschen statt. Man kann noch einen Schritt weitergehen: Gebildet werden können nicht nur die einzelnen Personen, die Individuen, gebildet werden kann auch eine ganze Gemeinschaft, z. B. eine Familie, eine Schulklasse (inklusive Lehrerinnen und Lehrer), ein Verein oder gar eine Gesellschaft. Also alle, die in einem Kommunikationszusammenhang stehen, der sich ein bestimmtes Bildungsziel vorgenommen hat. So ein gemeinsames Bildungsziel kann z. B. ein besserer Umgang mit der natürlichen Umwelt sein, ein sensibleres Verhalten zu den kulturellen Unterschieden in einer Ge­sellschaft oder das Erlernen einer bestimmten Technik wie des Kommunizierens via Internet. Also: Gebildet werden können nicht nur einzelne Menschen, sondern auch Gemeinschaften, sogenannte Kollektive.

 

Eigentlich klar, könnte man meinen, wenn alle Mitglieder eines Kollektivs gebildet werden, z. B. Lesen und Rechnen lernen, wird auch das Kollektiv gebildet. Bildung eines Kollektivs kann aber mehr bedeuten: Man kann damit meinen, dass ein "gebildetes Kollektiv" in der Lage ist, zu bestimmen, was es erreichen möchte, wie es sich gemeinsam verhalten möchte, welche Ziele es verfolgen möchte. Man kann meinen, dass ein gebildetes Kollektiv in der Lage ist, gemeinsam wichtige Entscheidungen überlegt zu treffen. Dafür reicht es nicht aus, dass die einzelnen Mitglieder eines Kollektivs gebildet sind. Oft ist ein Kollektiv gebildeter Menschen nicht in der Lage, gemeinsam zu handeln, weil das Kollektiv nicht gelernt hat, mit den internen Unterschieden umzugehen. Also: Bildung eines Kollektivs ist mehr als die Bildung der Mitglieder eines Kollektivs.

 

In dieser Publikation geht es somit um individuelle und kollektive Bildung und wie dies in der Schule organisiert werden kann, um nicht nur Wissen zu erwerben, sondern auch Kompe­tenz, vor allem Entscheidungskompetenz.

 

In diesem Sinne wurde eine Gesamtsicht bildungsrelevanter Wissens- und Kompetenz­bereiche entwickelt. Ergebnis ist eine Struktur bestehend aus fünf Domänen, die als Bündel inhaltlich verwandter Bildungsfächer/Schulfächer begriffen wird:

 

  • Human – und Sozialwissenschaften

  • Natur und Technikwissenschaften

  • Sprachen und Künste

  • Formalwissenschaft

  • Gesamthafte Reflexion und Transzendenz (Philosophie/Religion)

 

Bei Interesse an diesen Fragen und Sichtweisen zu Bildung und Lernen wird auf die Publikation „Domänen fächerorientierter Allgemeinbildung“ hingewiesen:

 

www.trauner.at

www.uni-klu.ac.at/wiho/inhalt/1014.htm


Faecherorientierte Allgemeinbildung 

 

Fischer, R.,

Greiner, U.,

Bastel, H. (Hg.),

Domänen fächerorientierter Allgemeinbildung,

Schriftenreihe der Pädagogischen Hochschule OÖ,

 

Band 1, Trauner

Verlag Linz 2012




Weitere Forschung im Bildungsbereich:

siehe dazu Publikationen von Roland Fischer




   

 

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